Glasmaler
Aus Zunft[wissen]
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Allgemeine Informationen
Eine der Gruppen in den Themenbereichen Glas, Glasmalerei, Handwerk und Künstler. Unter Glasmalerei versteht man in erster Linie die Herstellung farbiger Fenster mit bildlichen Darstellungen. Die Wirkung entsteht durch das durchscheinende Licht. Die Glasmalerei hat einen besonderen Stellenwert in der Malerei, denn keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft und so große Helligkeitsunterschiede zeigen wie ein durchsichtiges Glasbild. Kontrastumfang und Farbbrillanz sind noch stärker als beim Diapositiv im Vergleich zum Papierfoto. Die Farbenpracht erzeugt eine mystische bis feierliche Stimmung und wird deshalb überwiegend im sakralen Bereich verwendet. Als Teil großer Gesamtwerke steht die Glasmalerei im Dienste der Architektur. Eine völlig andere Art ist die Hinterglasmalerei, die nur in der Aufsicht betrachtet wird. Hier fehlen uns noch Informationen zu wertigen Herstellern und Ihre Expertise - wir freuen uns daher auf weitere Inhalte und auf Ihr Verfahrenswissen!!
In Ergänzung zum Beruf des Glasmalers und Kunstglasers
Glasmalerei Glaskunst – im Zeitgeist leuchtender Farbfenster
von Martin Halter: Glasmaler, Kunstglaser, Restaurator, Designer in Bern
Die strahlenden Farbfenster gotischer Kathedralen ziehen sogar die nüchternen Menschen des 21. Jahrhunderts in ihren Bann. Farbige Wappenscheiben von grosser Leuchtkraft waren vom Mittelalter bis zum Barock Geschenke kultivierter Bürger und öffentlicher Körperschaften. Einige wenige Ateliers führen heute diese handwerkliche Tradition der Glasmalerei weiter und mitunter überraschen sie mit Glasbildern von beeindruckender Wirkung. Das Fenster entscheidet über die Menge und Art des Lichtes im Raum. Farbiges Licht beeinflusst die Atmosphäre und damit die Menschen, die sich in diesem Raum aufhalten.
Ungewohntes Seherlebnis Glas und Architektur sind unzertrennliche Elemente zeitgemässen Bauens. Teilweise oder ganz mit transparenten Farbvariationen ausgestaltete Fenster und Türen, Eingänge, Treppenhäuser, Wintergärten, Sitzungsräume u.a.m. sind eine Möglichkeit, einer technikorientierten Architektursprache neue Dimensionen zu verleihen. Viele Leute sind zwar ergriffen vom Formenreichtum der Leuchtkraft gotischer Kirchenverglasungen. Trotzdem übt sich die Glasmalerei /Glaskunst im heutigen Kunstbetrieb in Bescheidenheit oder in Zurückhaltung. Es gibt mehrere Gründe dafür. Bis vor kurzem wurde der Markt mit sogenannten Billig-Wappenscheiben und mehrheitlich qualitätsarmen Glasmalerei-Erzeugnissen dominiert (übersättigt), was zweifellos den Image-Verlust der Glasmalerei mit prägte. Solche Serienprodukte (teils nur imitierte Glasbilder) sind nur ein Abklatsch kunsthandwerklich verarbeiteter Glasmalerei und vermögen natürlich auf die Dauer nicht zu befriedigen.
Kunsthandwerk - mit Ambitionen zur angewandten Kunstform Die Entstehung und Entwicklung der Glasmalerei geht weit zurück. Historische Erzeugnisse dieser Kunstgattung finden wir überall in Kathedralen und Kirchen Europas von überwältigender Leuchtkraft. Um nur ein Beispiel zu nennen: die Kathedrale von Chartres (F) weist 170 Farbfenster verteilt auf ca. 2000 m2 auf. Das auch heute noch nach alter Glasmachertradition mundgeblasene Antikglas (zB. Glashütte Lamberts, Waldsassen /D) mit seiner aussergewöhnlichen Brillanz, mit der beinahe unbegrenzten Farbpalette (5'000 rezeptierte Farbnuancierungen) eröffnet dem Gestalter eine fast unendlich grosse Möglichkeit, sich mit entsprechenden Kunstwerken darzubieten. Der Glasmaler wählt die Farbtöne der Antikgläser nach der Entwurfsvorlage aus. In der Vorbereitungsphase stellt er Aufriss und Schablonenformen her. Dann schneidet er mit einem Glaser-Diamanten /Stahlrad die farbigen Einzel-Glasteile nach den Schablonen zu. Je nach Projekt werden die Gläser weiter bearbeitet (z.B. mit Aetzungen, Sandstrahltechnik u.a.m.) oder er überträgt Schwarzlot-Pinselmalerei /- Patina-Schattierungen, Emailfarben auf das Farbglas und brennt diese bei 600°C kratzfest ein. (Zusätzlich steht dem Glas-Gestalter auch noch die Glasschmelz- oder Klebetechnik zur Verfügung). Jedoch bei der traditionellen Verarbeitungstechnik fasst er die Einzel-Glasteile, nach dem Einbrennen, mit hochwertigen H-Bleiprofilen zu einer zusammenhängenden Fläche ein ('verbleien'). Mit einer besonderen Zinnlegierung, mittels Lötkolben verlötet er die „Bunde“ beidseitig (das Zusammentreffen der Bleiprofile zu Kreuzstellen). Zur Erhöhung der Stabilität und einer Verminderung der Oxydation, kann der Kunstglaser beidseitig, das ganze Bleinetz verzinnen (die Oberfläche des Bleiwand-Profils weist demnach eine kompakte, dünne Zinnschicht auf). Zudem, je nach Grösse und Zweckbestimmung kann er mit Armierungsprofilen die gesamte Fläche zusätzlich stabilisieren oder zumindest wird das Glasbild /die Kunstverglasung zw. Glas/Blei eingekittet und gereinigt.
Individualisten mit Tradition Eine unbestimmte Anzahl von Werkstätten und Ateliers in Europa, führen dieses traditionelle Kunsthandwerk weiter. Es sind mehrheitlich Individualisten, die sowohl gestalterisch als auch technisch sehr verschieden arbeiten und basierend auf der alten Tradition materialgerechter Verarbeitung - einmal mehr, einmal weniger - eigene Wege beschreiten. Wer erstmals sein Interieur, sein Zuhause mit einem farbigen Glasfenster oder Glasbild bereichern möchte, wird mit Bedacht an die Auswahl herangehen. Indem man sich vorgängig mit der Materie befasst und mehrere Atelier besucht, so schärft sich das Urteil über diese Formenwelt. Langsam schält sich heraus, was den eigenen Bedürfnissen am ehesten entspricht. Im Gespräch mit dem Glaskünstler reift das Projekt heran. Sobald sich Auftraggeber und Glasmaler (-Künstler) ernsthaft mit den Bedürfnissen und Ansprüchen auseinandersetzen, entstehen durchaus Kunstwerke von bleibendem Wert, welche den Betrachter oder die Betrachterin jeden Tag, von neuem in einen Bann der Faszination ziehen.
Glasmaler-Restaurator - zum Thema Restaurierungsmassnahmen
Martin Halter Glasmaler-Restaurator Bern
Wie vorbehaltlos sind arbeitstechnische Eingriffe, nach theoretischen Gesichtspunkten von dritter Seite, an einer defekten Glasmalerei /Kunstverglasung zu verantworten, wenn diese ohne Vorbesprechung mit einem Speziallisten aus dem betreffenden Fachbereich ausgeführt werden? Fast in allen Fällen muss sich eine Abklärung auf breiter Basis abstützen, damit die Begebenheiten, Bedingungen und Faktoren möglichst realistisch eingeschätzt werden. Deshalb sollte von Anfang an, ein bestausgewiesener Praktiker (Restaurator von Glasgemälden) beigezogen werden. Seine langjährigen Erfahrungswerte über Material und Technik, können vorentscheidend dazu beitragen, dass technischbedingte Optionen richtig und fundiert eingeschätzt werden.
Genaue Recherchen am Objekt sind unerlässlich. Durch Unkenntnis der Materie, wurde schon mancher Substanz irreversiblen Schaden zugefügt. In der Regel stehen für eine sorgsame Restaurierung an Glasgemälden, nur eine sehr geringe Anzahl von Speziallisten zur Verfügung.
Der Kostenaufwand für die Instandstellung oder Sicherung glasmalerischer Substanz, sollte keinen dominierenden Einfluss auf die Entscheidungsgrundlage haben, wie eine Reparatur auszuführen ist. Dadurch könnte der Stellenwert einer Restauration im Voraus irreführend interpretiert werden. Auch, wenn für Aussenstehende vorerst schwer nachzuvollziehen ist, wie ein Kostenvergleich zu einem tieferen Angebot zu beurteilen ist, gibt es keinen Anlass dazu, sich einzig auf Zahlen zu konzentrieren. Im Gegenteil. Man soll sich zum Beispiel, gestützt auf eine vorliegende Offerte, das Arbeitsprogramm durch den Restaurator an Ort und Stelle des Objektes erklären lassen. Eine solche Aussprache kann der Vertrauensbildung förderlich sein. Noch offene Fragen können abschliessend geklärt werden. Erst durch eine übereinstimmende Klarheit auf beiden Seiten, bleiben unliebsame Überraschungen inbezug auf Verarbeitungstechnik weitestgehend ausgegrenzt. Wertvolle Original-Substanz zu erhalten und zu schützen, beginnt damit, sich nicht vermeidbaren Nachlässigkeiten hinzugeben.
Als erster Schritt in die richtige Richtung, sind nach der Erfassung und Dokumentierung der Schädigungen, die eigentlichen Ursachen des Schadens möglichst genau zu analysieren. So besteht die Gewähr, dass sich die involvierten Mit-Entscheidungsträger (Historiker, Denkmalpfleger, Auftraggeber) und der Restaurator auf eine verantwortungsbewusste Strategie betr. Überarbeitungstechnik einigen können. Mit begründbaren Meinungen ist in einem Gremium eher ein Konsens zu erreichen. Auf diese Weise wird die Verantwortung auf mehrere Entscheidungsträger abgestützt.
Eine überporportionale Einflussnahme einer einseitig akademischen Begleitung beinhaltet vielfach, dass sich die Schadenerfassungen am Objekt beliebig falsch oder richtig einschätzen lassen. Je nach Konstellation einer hierarchisch zusammengesetzten Kommission, können entsprechende Exponenten einzig ihre Vision kolportieren, auch dann, wenn sie sich nicht auf praxisnahe Erfahrungen stützen kann. Heute in wirtschaftlich angespannter Situation, besteht dadurch die Gefahr, einer eher rudimentär ausgerichteten Schadenanalyse an Glasmalereien mehr Glauben zu schenken, um sich grundsätzlich der Verantwortung einer definitiven Budgetvorgabe zu entziehen. Auf diese Weise lässt sich aber ein realer Kostenaufwand kaum senken. In der Regel lassen sich die effektiven Budgetdifferenzen meistens erst bei der Schlussabrechnung nachweisen.
Die Erfahrung lehrt, dass definitive Entscheide über das einzuleitende, fachtechnische Verfahren am Objekt, erst am Arbeitstisch in der Werkstatt lückenlos festgelegt werden können. Gilt es doch, einerseits zwischen den wissenschaftlichen Ansprüchen und einer praxisnahen Machbarkeit einen Weg zu finden. Zudem wird erwartet, dass der Eingriff an der Substanz sowohl fachtechnisch, als auch vom ästhetischen Standpunkt aus, einwandfrei, mit entsprechender Langzeit-Garantie umzusetzen und zu verantworten ist. Dieser Sachverhalt relativiert, wie schnell man sich einer Unprofessionalität aussetzt, sollte man sich einer seriösen und offenen Abklärung verschliessen. Die ganze Ausgangslage unterstreicht, dass selbstverständlich die Flexibilität eines Restaurators gefordert ist, seine Dienste im richtigen Moment anbieten zu können.
Bei jedem Eingriff an der Substanz muss gleichzeitig die Voraussetzung bestehen bleiben, in einer späteren Phase, mit einem weiteren Eingriff an das Vorhandene anzuknüpfen, sei es um restaurierungsbedingte Positionen zu verändern oder zu optimieren, ohne dass dabei die Einflussnahme des ersten Eingriffes dies verhindern könnte. Alle Eingriffe müssen jeweils reversibel bleiben und demnach genau dokumentiert werden.
Aktuelle Glasmalerei-Restauration: "Die Akademisierung zieht nicht zwingend eine verbesserte Professionalisierung nach sich. Noch zu viele Historiker-WissenschaftlerInnen sind sich aktuell dessen nicht bewusst" meint Glasmaler-Restaurator Martin Halter . Weitgehend wurden die so genannten Konservatorischen Richtlinien zu Restaurationsmassnahmen bei Glasmalereien mehrheitlich von Exponenten der Wissenschaft auf- und zusammengestellt. Genauer betrachtet erschöpfen sie sich in manch widersprüchlichen Punkten darin, sie je nach Bedarf vorliegender Sachverhalte, subjektiv und beliebig interpretieren zu können. Auch selbst dann, wenn sie einzig dazu dienen, einem bestimmten Ablauf von Massnahmen auf die Sprünge zu helfen (losgelöst von jeglicher Logik, aber Sinne einer bestimmten Entscheidung dazu dienen soll). Aber für die eigentliche Restauration nachweislich nicht von Nutzen sein kann. Hier wird bald einmal klar, wie schnell man sich, ob bewusst oder unbewusst auf einer willkürlichen Ebene bewegt. Leider zum Nachteil der zu schützenden Original-Substanz. Die Distanz zum Handwerk vergrössert sich von Jahr zu Jahr.
Die Grisailles-Technik in der Glasmalerei
Martin Halter Glasmaler Bern
Die Grisailles-Schwarzlotmalerei geht weit zurück bis ins 13. Jh. (bereits bei Kirchenfenstern angewendet). Die Grisailles-Technik ist also eine mehrheitlich Ton in Ton gehaltene Glasmalerei (beschränkt auf eine unterlegte Patina mit einer Konturlinienführung mittels Schwarzlotfarbe zum Einbrennen). Bisweilen wurde auch Silberlot (Silbergeld) auf der Rückseite aufgetragen. Farbiges Glas, wenn überhaupt, wurde nur sehr spärlich eingesetzt. Das Ganze konzentriert sich weitestgehend, auf eine sehr disziplinierte Pinsel-Maltechnik. Sie bildet das Rückgrad dessen, was ein Glasmal-Techniker am augenfälligsten als Nachweis darzubieten hat, wie es hier die beiden Glasbilder stellvertretend veranschaulichen. Sie vermitteln, wie im klassischen Style (15. Jh.), mit einer sensiblen Pinselhandhabung, die geheimnisvollen Eigenschaften dieser Kunstform vermittelt werden können. Die tonal hell angelegte Überzugsschicht auf die ganze Glasfläche augerichtet, dient nach Beendigung des Übertrags der feinen Pinsellinien dazu, wie mit Gänsekiel, Nadel und kleinen Stupfpinseln, das Vorliegende weiter bearbeitet werden kann. Mit den spezifischen Radierwerkzeugen entferne ich den Überzug punktuell oder über eine begrenzte Strecke und kann somit, gezielt die Glanzlichter herausarbeiten. Im Nachhinein, können partielle Schlagschatten (Lasuren /Lavuren) mit dem Pinsel aufgetragen werden, um die Dreidimensionalität noch zu verstärken. Sofern man diese Grisailles-Technik beherrscht, fühlt man sich richtig beflügelt sie ausüben zu können. Es wäre zu einfach, wenn nun behauptet würde, sie aktuell auszuüben, sei einzig sich selbst etwas beweisen zu müssen. Und wenn schon...
...bei Bildnisdarstellungen, insbesondere Ende 15. Jh. und anfangs 16. Jh., wird uns in einer Reinheit ungekünstelter Darbietung, der Leib als Instrument des Geistes und der Gestus Ausdruck des Denkens und Empfindens vor Augen geführt. Sich zur damaligen Zeit, in den Bestrebungen überhaupt bewusst gewesen zu sein, wenn möglich die höchste Vollendung bei der Gestaltung anzustreben, dass der ganze Körper wie ein Kristall die Seele gleichsam durchscheinen liesse und er in jeder Bewegung und in allem Tun vom Geist durchdrungen wäre.
Die beiden Grisailles-Glasmalereien, das Mädchen und der Greisenkopf lassen durch ihre Geste und Haltung im übertragenen Sinn erkennen, dass sie durch den Künstler als sein Instrument ganz in Beschlag gemommen werden. Eine sich selbst zurücknehmende Haltung einnehmend, prosterniert sich ‚das Mädchen’ weit mehr, im Gegensatz zum ‚Greisenkopf’. Dieses ambivalente Erscheinungsbild der beiden Sujets vermittelt ohne Worte – das Bewusstsein der eigenen Unwürdigkeit und Ohnmacht. info@glasmalkunst.ch


