Das Wissen steckt in den Köpfen
Aus Zunft[wissen]
Dies ist ein Artikel aus dem Bereich Wissensmanagement.
Der effektive Umgang mit Wissen ist eine der herausfordernden Aufgaben, denen sich Unternehmen heute gegenüber sehen. Wissensmanagement ist nicht einfach eine Frage der IT-Abteilung. Lösungskompetenzen, eine Veränderung in der Art und Weise wie Menschen zusammen arbeiten, wie Geschäftsprozesse im Unternehmen ablaufen, lauten die aktuellen Anforderungen.
Das Thema Wissensmanagement ist nicht neu und keine Erfindung unserer Zeit. Bereits Nicolò Machiavelli (1469-1527) kannte die Bedeutung: "Wer will, dass ihm die anderen sagen, was sie wissen, der muss ihnen sagen, was er selbst weiss. Das beste Mittel Informationen zu erhalten, ist, Informationen zu geben." Damit beschreibt Machiavelli exakt das tragende Prinzip: Wissen steckt in den Köpfen von Menschen und kann nur von diesen aktiviert, weitergegeben und genutzt werden. Technische Systeme, wie beispielsweise Datenbanken, sind primitive Hilfsmittel zum Speichern von Daten und zum Auffinden von Informationen. Ohne den freiwilligen Austausch der Menschen erfolgt kein Wissenstransfer - und jede Datenbank bleibt leer.
Versuch einer Begriffsdefinition
Was sind Daten und Informationen? Als Daten bezeichnen wir die symbolische Repräsentation von Sachverhalten, z.B. der Anzeigewert »25°« auf einem Digitalthermometer. Als Information erkennen wir eine strukturierte Sammlung von Daten, die dann in beispielsweise in die Aussage mündet: »Die Temperatur in Hamburg betrug heute um 14 Uhr 25 Grad Celsius«.
Und was ist Wissen? Diese Frage ähnelt der philosophischen Frage »Was ist Wahrheit«? Eine eindeutige, einhellige Beantwortung dieser Fragen scheint nicht möglich. Wissen bezeichnet das Netz aus Kenntnissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die jemand zum Lösen einer Aufgabe einsetzt (Herbst). Wissen ist eine subjektive Konstruktion, ein permanenter Prozess des Erkennens und Interpretierens. Wissen existiert nicht unabhängig von Personen, es ist dynamisch, veränderlich und kontextabhängig (Vollmar).
In der wissenschaftlichen Literatur wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um Wissen zu klassifizieren. So wird in einem Ansatz (Polanyi, Nonaka) zwischen implizitem und explizentem Wissen unterschieden. Implizites Wissen steckt in den Köpfen von Menschen: Erfahrungen, Denkmuster, Vorstellungen, Analogien und Perspektiven. Es ist stillschweigend und verborgen, es kann nicht in Datenbanken erfasst werden, es wird via Kommunikation und Zusammenarbeit übertragen. Explizites Wissen hingegen ist auf Papier oder Datenträgern speicherbar und auf formalem Weg übertragbar. Es findet sich in Berichten, Arbeitsanweisungen, Modellen, Dokumentationen, Zeichnungen, Bildern o.ä. In der Praxis ist die Trennung von implizitem und explizitem Wissen kaum möglich, da beide in Abhängigkeit zueinander stehen und fliessend ineinander übergehen können.
Im Mittelpunkt steht der Mensch
Wissen beginnt und endet stets mit dem Menschen. Wissensmanagement im Unternehmen bedeutet nicht primär die Entwicklung von Software, den Einsatz von Intranet oder Wikis. Es geht in erster Linie darum, wie Menschen in den Prozess des Wissenstransfers wirkungsvoll und nutzbringend eingebunden sind. Der Mensch ist dabei nicht allein Wissensträger und Wissensgeber, sondern auch Wissensempfänger. Ein Austausch von Wissen kann nur dann erfolgreich sein, wenn die eine Seite bereit ist, zu geben, die andere auch bereit ist, zu lernen. Damit wird Wissensmanagement zum Personalthema, wenn es um die Aufgabe geht, den kontinuierlichen Transfer- und Lernprozess im Unternehmen zu planen, zu organisieren und motivierend zu begleiten.
Einbindung in Geschäftsprozesse
Die systematische Nutzung von Informationen, Erfahrungen und Wissen verlangt ein umfangreiches Repertoir an Methoden und Werkzeugen, welche das Wissensmanagement ganzheitlich auf den Ebenen Mensch, Organisation und Technik behandelt und optimiert. Wissensmanagement darf nicht als Einmal-Aktion und losgelöst von den übrigen Geschäftsprozessen betrachtet werden. Die vorhandenen Geschäftsprozesse, mit denen das Unternehmen seinen wirtschaftlichen Erfolg sichert, stellen den wirksamsten Ansatzpunkt dar, um durch den Einsatz von Wissensmanagement die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Wissensmanagement muss daher hier ansetzen und das Wissen der Mitarbeiter im Rahmen der Geschäftsprozesse produktiv nutzbar machen. Diese Prozesse müssen in sich geschlossen sein und störungsfrei ablaufen, damit Wissen im Unternehmen optimal nutzbar ist. Wissensmanagement umfasst daher alle Methoden, welche die Aktivitäten des Erzeugens, Speicherns, Verteilens und Anwendens von Wissen unterstützen und deren Verknüpfung untereinander herstellen.
Kompetenz ist gefragt
Wissensmanagement erfordert Kompetenzen gleich in mehreren Bereichen: Die Kriterienkompetenz klärt beispielsweise, welche Informationen für das Unternehmen zukunfts- und wettbewerbsrelevant sind und in eine Wissensbasis überführt werden sollen. Die Qualitätskompetenz definiert die Anforderungen an die Ware Wissen, also das, was in den Köpfen steckt, übt die Wahrnehmung, Interpretation und Bewertung von Informationen. Die Methodenkompetenz stärkt die Motivation und gegenseitige Vertrauensbasis von Mitarbeitern und fördert die Vernetzung der Wissensbegierigen.
Autor: Joachim Zischke | Ideenberater

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