"Newsletter zum Thema nachhaltiger Konsum/LOHAS Juni 2008"
Aus Zunft[wissen]
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Wir möchten gerne wissen, wie intensiv unsere Leser tatsächlich lesen! Bitte beantworten Sie heute folgende Frage - wir verlosen unter allen Antworten drei ermäßigte Teilnahmeplätze (20%) in einem beliebigen Trainingsseminar von TuWas.
Hier die Frage: Wie viel Prozent der Kunden von Bio-Produkten kaufen vor allem die preisgünstigen Handelsmarken und bei Discountern?
Liebe Kollegin, lieber Kollege,
in Zeiten, da in Deutschland regierungsamtlich keine Klimapolitik mehr stattfindet, konzentrieren sich die Hoffnungen auf die Konsumenten. Die derzeit forcierte "Lohas"-Diskussion belegt, wie sehr sich ein breites Spektrum gesellschaftlicher Akteure Hoffnungen auf die "neuen Ökos" oder die "bewussten Konsumenten" macht: Produzenten, Handel, Marketingagenturen, NGOs und Umweltgruppen bemühen sich gleichermaßen um die neuen Zielgruppen, die angeblich das Potenzial haben, der Idee der Nachhaltigkeit durch Konsumentscheidungen zum Durchbruch zu verhelfen.
Die moderne Umweltbewegung findet also an der Ladenkasse statt. Verzichtsappelle und schlechtes Gewissen sind passé. Nicht Öko-Aufklärung, sondern das Interesse einer wachsenden Zielgruppe, Lebensgenuss mit verantwortlichem Handeln zu verbinden, gibt uns die Hoffnung, die Klimaziele doch noch zu erreichen. Verzichtsappelle und schlechtes Gewissen sind passé. Diese Chance entdecken nun auch Umweltpädagogen, Naturschützer und Verbraucherberater.
Veranstaltungs-Hype zu Lohas
Während die klassischen Ökos Konsum prinzipiell für problematisch erklären, uns an die schweren ökologischen Rucksäcke und den viel zu großen Ressourcen-Fußabdruck unseres Lebensstils gemahnen, kombiniert der neue Öko Konsumfreude, Produktbegeisterung und Ästhetik mit Informationen über Energieverbrauch, Ökobilanz und Recycelbarkeit. Er will damit jedoch auf keinen Fall die Welt retten, sondern nur in seinem eigenen Lebensumfeld verantwortlich handeln.
Ende Mai beschäftigten sich parallele Veranstaltungen in Berlin, Frankfurt, Zürich und Wachenheim mit der Frage, wie dieser Trend genutzt und verstärkt werden könnte. Einen zusammenfassenden Bericht über Berlin (Veranstalter: stratum) und Frankfurt (Veranstalter: KarmaKonsum) brachte Glocalist Medien (http://www.glocalist.com/index.php?id=20&tx_ttnews[tt_news]=3473&tx_ttnews[cat]=3&cHash=16819240db). Tenor: "So sehr jede der angeführten Konferenzen Verdienste für sich in Anspruch nehmen darf, beide sollten sich dringend vernetzen. Die Stimmung war auf beiden Konferenzen begeistert bis fast schon euphorisch." Glocalist-Chef Christian Neugebauer hat inzwischen eine Initiative gestartet, um die verschiedenen Lohas-Protagonisten zur Kooperation zu bewegen.
Pressemeldungen zu der Tagung in Berlin siehe auch:
http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?session=584a026a4846de57_759528&a_no=17938.
Zu Frankfurt u.a im Focus:
http://www.focus.de/finanzen/news/studie-wer-sind-die-lohas_aid_305216.html.
Unter dem Motto "Nachhaltigkeit" fand der 1. Zunfttag in Wachenheim statt (http://www.zunftwissen.org/de/index.php/Zunfttag_Mittelhaardt_-_Kurpfalz).
Die unter einem modernen Zunftbegriff wieder erstehende Verbindung aus Lebensstil, Regionalität, hochwertigen Produkten, Handwerk und Manufaktur bildet einen wichtigen Aspekt des nachhaltigen, wertebezogenen Konsums ab. Hinter der Initiative steht die Zunft AG
(http://www.die-zunft.de/).
In Zürich beschäftigte sich die 2. Zürcher Direktmarketingtagung unter dem Titel "Lohas 2.0 - Öko ist Lifestyle" mit dem neuen Trend. Ergebnis: "Geiz ist geil war gestern" grün darf ruhig etwas kosten. (http://www.m-k.ch/c/MK/Dialogday%9208_LOHAS/tabid/130/Default.aspx?autoid=275).
Professionalitätsdefizite werden jetzt akut
Umweltbildner, Naturschützer und Ökotouristiker hören das natürlich gern - ob sie jedoch ohne weiteres ein Stück vom Lohas-Kuchen abkriegen, ist zu bezweifeln. Die vorhandenen Professionalitätsdefizite bei der trennscharfen Bestimmung ihrer Zielgruppen, der adäquaten Kundenkommunikation und einem bedürfnisgerechten Produktzuschnitt fallen den Akteuren vielleicht nur noch schwerer auf den Fuß. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördertes Projekt möchte diesem Problem abhelfen (http://www.stratum-consult.de/innovationsprojekte.html). Auf der Basis einer gezielten Marktforschung im Bildungs- und Freizeitbereich werden demnächst Beispiellösungen für verschiedene Sektoren erarbeitet, darunter Schullandheime, Naturparks, Fairer Handel, Naturschutzstiftungen und -verbände, Umweltzentren und Zoos.
Dazulernen müssen indes auch die Wirtschaftsunternehmen. Das Tempo, mit dem das CSR-Know-how in der Wirtschaft zunimmt, spricht jedoch dafür, dass Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung inzwischen als fester Bestandteil einer erfolgreichen Unternehmensstrategie angesehen und immer öfter auch praktiziert werden. Eine Studie des Bundesumweltministeriums kommt zu dem Schluss, dass CSR (= Corporate Social Responsibility) dabei ist, zum regelrechten Management-Ansatz zu werden. Eine brandneue 15-seitige Publikation dazu gibt es zum Download unter http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/bmu_megatrends.pdf.
Das "Forum Nachhaltig Wirtschaften" berichtet in Themenheften laufend über die CSR-Trends, Erfahrungen und Akteure. Die aktuelle Ausgabe hat den Schwerpunkt "Grünes Geld" (http://www.eco-world.de/scripts/basics/econews/basics.prg?a_no=17544).
Dem Bio-Trend und der Frage, wie der Handel damit umgehen sollte, widmet sich eine Studie der Strategieagentur Diffferent, die jetzt in der Zeitschrift Werben & Verkaufen publiziert wurde (http://www.diffferent.de/news/presseclippings.php?id=00256&user_id). Demnach sind 40% der Bio-Käufer Einsteiger und Mitläufer, die Bio-Produkte eigentlich nur kaufen, weil es sie inzwischen überall in den Supermärkten und hier unter Handelsmarken auch preisgünstig gibt. Ästehtische Genießertypen hingegen, für die Bio-Siegel, Verpackungsdesign und Markenimage gleichermaßen wichtig sind, machen etwa 10 Prozent der Bio-Kunden aus. Die kleinste Gruppe der Bio-Konsumenten besteht aus 6% besonders wählerischen "Qualityseekers", die vor allem deshalb auf Bio-Produkte stoßen, weil sie höchste Qualität suchen; auch für sie haben Marken einen hohen Orientierungswert. Mit 44% immer noch die größte Gruppe machen die "überzeugten" Bio-Kunden aus, die eine grüne Lebenseinstellung mitbringen und relativ zu ihrem eher durchschnittlichen Einkommen viel Geld für Öko-Lebensmittel ausgeben. Der Tipp der Marketingexperten an die Adresse des Handels: "Klare Botschaften für klare Zielgruppen". Bio-Kunde ist nicht gleich Bio-Kunde.
Neuer Trend: Soziopreneure versöhnen Marktwirtschaft und soziales Engagement
Ein dritter großer Nachhaltigkeitstrend - neben Lohas- und CSR-Boom - ist die Zunahme der sogenannten "Soziopreneure", die es schaffen, eine Symbiose aus sozialem Engagement und Marktwirtschaft zu bilden und gute Zwecke mit wirtschaftlichem Denken zu verbinden. Mit einem 24 Stunden-Non-Stop-Beratungs-Event sollen bereits bestehende Non-Profits und gründungswillige Soziopreneure am 7. Juli in Berlin unterstützt werden (http://www.stratum-consult.de/24-stunden-beratung-non-stop.html). Der Tag wird ideell gefördert von der Kampagne "Deutschland - Land der Ideen".
So wie für Konsumenten vom Lohas-Typ das ethische Verbraucherverhalten nicht ein Über-Ich-gesteuertes Programm, sondern Ich-bewusster Lebensstil ist, so wird für immer mehr junge Menschen ihr soziales Engagement zum Abenteuer und nebenbei zur Qualifikation für unternehmerisches Handeln. Ein hervorragendes Beispiel geben Jan Holzapfel, Tim Lehmann und Matti Spiecker in ihrem Bericht "Expedition Welt", der im ökom-Verlag erschienen ist (http://www.oekom.de/buecher/buchprogramm/politikgesellschaft/archiv/buch/expedition-welt.html). Matti Spiecker hat mit 24 Jahren bereits eine Stiftung gegründet (Welt:Klasse) und ermöglicht deutschen Schülern Aufenthalte in Schwellenländern Asiens, um die Auseinandersetzung mit Globalisierung und Nachhaltigkeit zu fördern.
Fortbildungs-Tipp: Impro-Moderation
Mal gar nichts mit Nachhaltigkeit zu tun hat unser heutiger Fortbildungstipp. Vom 17. bis 19. Juli veranstaltet TuWas zusammen mit dem Improvisationstheater-Profi Roland Trescher wieder ein Training "Impro-Moderation" - für den sicheren Umgang mit Improvisation, Gefühlen und Dramatik in der Moderation. Einen informativen Artikel zur "Impro-Moderation" finden Sie im Portal von http://www.business-wissen.de/de/beratung/artikel/artikel427.html?ch=206. Anmeldung und Details zur Buchung unter http://www.tuwas.net/3,moderation_impro.html. Das Training findet in Freising bei München statt.
Soviel für heute aus Berlin
Ihr
Richard Häusler
Bundesverband TuWas e.V.
Boxhagener Straße 16
Alte Pianofabrik
10245 Berlin
Deutschland
Fon 030.81479068
Fax 030.81479069
Mobil 0172.8332362
richard.haeusler@tuwas.net

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